Im Dauertest: 20 Antiviren-Tools auf dem Prüfstand

Seit fünf Jahren untersucht das Prüflabor AV-Test 20 Antivirenrogramme in einem knallharten Dauertest. Die meisten schneiden gut ab. Angesichts von 400.000 Viren pro Tag ist das allerdings auch bitter nötig.

Seit dem Jahr 2011 testet das weltweit angesehene Prüflabor AV-Test aus Magdeburg regelmäßig den Virenschutz von rund 20 Internet-Sicherheitsprogrammen für Privatanwender. Die Programme müssen vor allem zeigen, wie gut sie einen Rechner vor aktuell im Internet verbreiteten Schädlingen schützen können. Die getesteten Schädlinge sind oft erst wenige Stunden alt. PC-WELT fasst hier die Testergebenisse zusammen und präsentiert sie übersichtlich als Dauertest.

Das Prüflabor AV-Test nutzt für seine Tests aktuell im Internet verbreitete PC-Viren. Dort tauchen jeden Tag rund 400 000 neue Schädlinge auf. Teilweise ähneln sich viele dieser Viren stark, denn sie werden alle aus ein und demselben Virenbaukasten-Programm erzeugt. Teilweise unterscheidet sich ihr Code auch deutlich voneinander. Denn entweder stammen die Schädlinge aus einem komplett anderen Virenbaukasten oder sie sind hochkomplexe Einzelanfertigungen. Die Antivirenprogramme im Test müssen alle diese Schädlinge gleichermaßen blockieren. Doch gelingt ihnen das nicht bei allen Virenvarianten gleich gut. Würde das Prüflabor nur an einem einzigen Tag den Virenschutz eines Programms testen, dann würde der Zufall entscheiden, wie gut das Tool abschneidet. Ein Test über Monate und Jahre hinweg liefert dagegen ein genaues Bild der Leistungsfähigkeit einer Sicherheitssoftware.

So testen und gewichten AV-Test und PC-WELT

Das Prüflabor AV-Test untersuchte rund 20 Programme in den Jahren 2011 bis 2016. In den ersten Jahren testeten die Spezialisten von AV-Test auch noch unter Windows XP, zuletzt aber mussten die Schutzprogramme nur noch abwechselnd zeigen, was sie unter Windows 7, 8 und 10 leisten können.

Jeder einzelne Dauertest lief über zwei Monate. Zum Testparcours des unabhängigen Testlabors AVTest in Magdeburg zählen die drei Kategorien „Virenschutz“, „Geschwindigkeit“ sowie „Fehlalarme“. Bei den Tests von 2011 und 2012 war die Geschwindigkeit noch keine eigene Kategorie, dafür wurde damals die Reparaturleistung als eigene Rubrik gezählt. Diese wird seit Anfang 2013 nur noch separat geprüft. Da wir die drei Kategorien gleich gewichten, also mit je 33,3 Prozent, haben wir die Werte der alten Rubrik Reparaturleistung in die Rubrik Geschwindigkeit überführt.

In der Tabelle auf der folgenden Seite finden Sie die früheren Testergebnisse zusammengefasst in den Zeilen „Januar 2011 bis Juni 2015“. Diese Note gewichten wir für die Zwischennoten wie einen einzelnen Test. Anderenfalls würde diese Note das Gesamtergebnis extrem stark beeinflussen.
Benotung von AV-Test und PC-WELT: Das Prüfinstitut AV-Test vergibt für jeden Test maximal sechs Punkte. Halbe Punkte sind möglich. PCWELT ermittelt zu diesem Punktesystem die Schulnote, da das Testcenter der PC-WELT seit Jahren mit dieser Bewertung arbeitet. Die Gesamtnote ergibt sich aus den drei Testkategorien, die wir zu gleichen Teilen gewichtet haben.

Viele gute und sehr gute Programme im Dauertest

Die ersten sieben Programme in unserer Testtabelle erringen die begehrte Gesamtnote sehr gut. Wer eines dieser Programme nutzt, ist somit bestens gegen alle aktuellen PC-Schädlinge geschützt. Aber auch die Programme von Platz 8 bis Platz 18 bekommen ein „Gut“ als Endnote und sind ohne große Einschränkungen empfehlenswert.

Besonders freuen können sich die Nutzer des Antivirenprogramms von Microsoft, dem Windows Defender. Mit der Note 2,35 schnitt das Microsoft-Tool insgesamt gut ab (Platz 18). Deutlich verbessert hat sich das Tool in der Kategorie Virenschutz. Beträgt diese Zwischennote für die Jahre 2011 bis Juni 2015 noch eine niederschmetternde 5,98, hat sich der Schutz in den letzten Tests deutlich verbessert (mit Noten zwischen 2,5 bis 4,0). Damit liegt Microsoft mit seinem Windows Defender (für Windows 8 und 10) sowie seinem Security Essentials für Windows 7 und Vista immer noch deutlich hinter den sehr guten Programmen im Test, aber zumindest schützt es nun nennenswert besser als noch vor einem Jahr.

Sicherheitsboxen im Test: Schutz oder Augenwischerei?

Das können die neuen Versionen der Schutzprogramme 2017

Im Test hatten wir überwiegend noch die Programmversionen aus 2016. Gegen Ende des Tests präsentierten die meisten Hersteller aber bereits ihre Versionen für 2017. Wer bei seinem Antivirenprogramm noch eine gültige Lizenz hat, bekommt die neue Version kostenlos. Viele Tool aktualisieren sich automatisch auf die 2017er Version, bei den anderen müssen Sie dieses Update manuell bestätigen.

Neuheiten: Einige Antivirenhersteller reagieren auf die nach wie vor große Bedrohung durch Erpresserviren und weisen in ihren 2017er Versionen einen entsprechenden Zusatzschutz aus, etwa eine Antiransomware (ransom = Lösegeld). Technisch steckt allerdings meist nichts Neues hinter dieser Funktion. Erpresserviren erkennt ein Virenschutz entweder mithilfe von Signaturen, weil es den Schädling bereits analysieren konnte, oder an seinem Verhalten. Beides können aber bereits die Antivirenversionen von 2016 oder auch 2015, zumindest die guten Tools.

Ein weiterer Trend liegt auf Schutzfunktionen fürs Heimnetz. Dabei sollen Geräte wie die Webcam genauso geschützt werden wie der Router. Solche Extra-Tools können ganz nützlich sein, sind allein aber kein Kaufgrund für ein Programm. Bei einem Virenschutz ist immer noch am wichtigsten, wie gut er Viren erkennt und wie wenig er dabei den PC belastet.

Siehe auch: Der beste Antivirenschutz für Android im Test

Ein gutes Schutzprogramm muss heute nicht nur Virenangriffe abwehren, sondern auch den Zugriff auf persönlichen Daten, Datenspuren und Dateien des Anwenders verhindern. Damit einer Sicherheitssuite das gelingt, benötigt sie selber Zugriff auf die Daten des Nutzers. Die Experten von AV-Test haben sich die Datenschutzerklärungen von 24 Sicherheitsprogrammen angesehen, um herauszufinden, wie vertrauenswürdig sich die Antivirenhersteller bei dieser juristischen Grundlage zeigen. Das Ergebnis: Einige Hersteller dehnen den Zugriff auf die Nutzerdaten sehr weit aus. Ein Programm fordert in seinen Nutzungsbedingungen sogar den Zugriff auf die biometrischen Daten des Nutzers, also etwa auf seinen Fingerabdruck. Einige Hersteller verlangen Informationen über Geschlecht, Berufsbezeichnung sowie sexuelle Orientierung des Nutzers. 15 Antivirenanbieter setzen den Zugriff auf den Browser-Verlauf der Nutzer voraus. Sechs wollen auf die Suchanfragen zugreifen. Und damit endet die Sammelwut der Hersteller noch nicht einmal. Einige dieser Punkte lassen sich technisch begründen, aber bei Weitem nicht alle. Die komplette Analyse von AV-Test finden Sie auf der Site des Prüflabors .

Testsieger: Kaspersky Internet Security

Kaspersky Internet Security zeigt in den letzten Einzeltests eine durchgehend sehr gute Leistung und landet damit verdient auf dem ersten Platz. Zusammen mit den sehr guten Noten aus den Jahren 2011 bis Juni 2015 erhält Kaspersky die Gesamtnote 1,01. Das Tool schneidet in den Kategorien Virenschutz, Geschwindigkeit und Fehlalarme sehr gut ab. Kaspersky Internet Security hat bereits in den Dauertests von 2015 und 2014 den ersten Platz errungen.

Alternativen: Nicht nur der Testsieger zeigt eine sehr gute Leistung beim Virenschutz. Die Programme auf den nachfolgenden Plätzen können ebenfalls den Windows-PC schützen. Auch die drei kostenlosen Tools im Test von Qihoo , Avast und Panda schneiden gut ab.

Die Testergebnisse im Überblick

Antivirentest: Platz 1 bis 10

Antivirentest: Platz 1 bis 10

Antivirentest: Platz 11 bis 20

Antivirentest: Platz 11 bis 20

 

Geliefert von PC-Welt.de