Cybermobbing erkennen – so schützen Sie Ihr Kind

Jeder fünfte deutsche Jugendliche wurde schon einmal im Internet gemobbt. Trotzdem ist diese Gefahr aus dem Netz kaum bekannt und wird in der Gesellschaft wenig diskutiert. Erst wenn Kinder durch Cybermobbing in den Selbstmord getrieben und diese Fälle durch die Medien bekannt werden, wird deutlich, wie gefährlich Cybermobbing ist.

Mit zunehmendem Alter steigt für die Kinder die Bedeutung von Freunden und Gleichaltrigen. Insbesondere für Teenager ist der Freundeskreis meist wichtiger als die Familie. Von dieser Gruppe ausgeschlossen zu werden oder sich diese erst gar nicht aufbauen zu können, führt bei Jugendlichen zu einem Gefühl von Wertlosigkeit und Verzweiflung. Werden Opfer zusätzlich bedrängt oder schikaniert, fühlen sie sich schnell isoliert. Das wiederum kann zu Depressionen, Selbstverletzung oder Schlimmerem führen. Werden diese Schikanen nun online ausgetragen, können die Auswirkungen noch verheerender sein.

Immer mehr Schüler werden Opfer von Cybermobbing

Im Film und Buch „Der Herr der Fliegen“ werden die Psychologie und das Verhalten von Jugendlichen eindrucksvoll dargestellt. Darin bilden Kinder Banden, einzelne werden ausgeschlossen und gemobbt – mit schrecklichen Konsequenzen. In unserer Cyber-Generation spielt sich das gleiche Verhalten online ab, auf Smartphone, Tablets oder PCs.

Hier sind jetzt die Eltern gefragt.

Beschützen oder „laissez-faire“?

Soziale Netzwerke ziehen Jugendliche an und helfen, dass ihr gesellschaftliches Leben nicht am Schultor endet. Sie können ihre Kontakte darüber hinaus pflegen und sich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche mit anderen austauschen. Viele Eltern macht genau diese Möglichkeit sozialer Netzwerke nervös: Einerseits wollen sie ihr Kind darin bestärken, eigene Erfahrungen zu machen und sich selbstständig in seinem sozialen Umfeld zu bewegen. Andererseits wissen sie, dass ihre Kinder genau aufgrund dieser Freiheit Opfer von Missbrauch und Mobbing werden können.

Es ist ein schwieriger Balanceakt zwischen Beschützerinstinkt und Vertrauen in den Nachwuchs, der sich über viele Jahre hinzieht und sich immer wieder verlagert. Natürlich hilft es, wenn Eltern einen guten Draht zu ihren Kindern haben, doch Jugendliche können sich ebenso schnell wieder zurückziehen, vor allem dann, wenn Eltern eine Gefahr bemerken und nachfragen.

Anzeichen für Cybermobbing

Die folgenden Anzeichen können darauf hindeuten, dass ein Kind online schikaniert wird:

  • Es reagiert nervös, wenn es Nachrichten oder E-Mails empfängt

  • Das Kind ist in der Schule unruhig oder täuscht eine Krankheit vor

  • Es möchte nicht über seine Online-Aktivitäten sprechen

  • Es zieht sich zurück und hat weniger Kontakt zu Freunden und Familie im wirklichen Leben

  • Plötzliche Wut oder Depression – insbesondere, wenn die Eltern online gehen

  • Ausschalten oder Verlassen des Computers

  • Unerklärliche Magen- oder Kopfschmerzen

  • Unerklärliche Gewichtsabnahme oder -zunahme

Schutz vor Cybermobbing

Vorbeugen

Es ist Aufgabe der Eltern, ihre Kinder an den Umgang mit den neuen Medien heranzuführen. Sie müssen ihnen erklären, welche Gefahren das Internet bergen kann und wie sich Kinder davor schützen.

Jugendlichen sollte bewusst sein, dass das Netz nichts vergisst. Bilder oder Beleidigungen, die online kursieren, sind nur schwer zu löschen und können immer wieder auftauchen. Es hilft, wenn Kinder und Jugendliche selbst möglichst wenige Bilder, Videos und Informationen über sich ins Netz stellen. Außerdem sollten sie den Privatbereich in sozialen Netzwerken wie Facebook nicht für jedermann freigeben. Hier sollten nur Familie und enge Freunde Einsicht nehmen können, die das Kind auch im realen Leben kennt.

Reden

Es ist wichtig, die Kommunikation mit Kindern aufrechtzuerhalten und immer ansprechbar für sie zu sein – insbesondere wenn sie zu Teenagern heranwachsen.

Diese Maßnahme erscheint zwar offensichtlich, aber in einer so schnelllebigen Welt wie heute rutscht ein persönliches Gespräch leicht nach hinten in der Prioritätenliste. Kinder müssen aber wissen, dass sie jederzeit zu ihren Eltern kommen und mit ihnen über Themen wie Mobbing oder Cybermobbing sprechen können. Eltern müssen signalisieren, dass sie diese Gefahren mitsamt ihren Folgen kennen und dass es absolut nicht in Ordnung ist, wenn Mobbing das Selbstwertgefühl und Vertrauen zerstört. Die Kinder wiederum sollten verstehen, dass ihre Eltern sie nicht verurteilen werden, auch wenn es um schlimme Bilder, Beleidigungen oder peinliche Dinge geht.

Grenzen setzen

Kindern Grenzen zu setzen ist vermutlich eine der schwersten Aufgaben bei der Erziehung. Immer wieder testen sie aus, wie weit sie gehen können. Doch Cybermobbing trifft vor allem Kinder, die eben solche Grenzen nicht haben und unkontrolliert Computer, Smartphone oder Tablet nutzen können. Um dieses Risiko zu reduzieren, sollten Eltern einschränken, wann und wie lange das Kind online sein darf. Eine Verlängerung oder Ausnahmeregelungen sollte es nur geben, wenn Kinder ihre Eltern darüber informieren, wie sie ihre Zeit im Netz verbringen.

Dran bleiben

Eltern können ihre Kinder besser verstehen (und schützen), wenn sie sich selbst mit den technischen Neuheiten auskennen. Ein eigenes Konto in den sozialen Netzwerken, in dem sich das Kind bewegt, kann helfen, das Umfeld und den Umgang dort kennen- und einschätzen zu lernen. Darüber hinaus können Eltern auch beobachten, wie sich ihr Kind in diesen Netzwerken verhält. Es geht aber nicht darum, dem Kind nachzuspionieren!

Gespräch mit Lehrern führen

Lehrer wissen um die Gefahr des Mobbing, schließlich erleben sie es oft genug vor ihren Augen. Viele, insbesondere junge Lehrkräfte und Schulen haben sich dazu weitergebildet und kennen sich auch mit Mobbing in der digitalen Welt aus. Eltern, die glauben, ihr Kind werde von jemandem aus der Schule gemobbt, sollten Kontakt zur Schule und zu den Lehrern aufnehmen.

Nicht einmischen

Jeder, der feststellt, dass sein Kind im Netz oder in der realen Welt gemobbt wird, hat das Bedürfnis, sich in den Konflikt einzumischen, in der Hoffnung, die Autorität eines Erwachsenen würde hier weiter helfen. Doch im Netz gelten andere Regeln. Sich selbst mit dem Täter auseinanderzusetzen, befeuert das Mobbing nur, denn für den oder die Täter ist dies ein Zeichen der Schwäche des Opfers, die es auszunutzen gilt.

Eltern sollten sich nicht einmischen, sondern gemeinsam an wirksamen Verteidigungsstrategien arbeiten. Der erste Schritt sollte die Löschung oder Blockierung des Täters in den sozialen Netzwerken sein. Außerdem sollte sämtliche Kommunikation mit dem Täter als Beweismaterial gespeichert werden, falls sich der Konflikt nicht ohne rechtliche Hilfe lösen lässt.

Digitale Helfer nutzen

Der Einsatz von professioneller Sicherheitssoftware ist eine gute Schutzmaßnahme, um Kinder vor Cybermobbing zu bewahren. Die Software unterstützt Eltern dabei, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder im Auge zu behalten. Darüber hinaus erkennt ein solches Programm mögliche Täter oder Fremde mit unklaren Absichten und macht auf diese aufmerksam.

Sicherheitssoftware kann auch verhindern, dass Kinder auf Webseiten mit unangemessenen Inhalten zugreifen oder persönliche Informationen wie die Adresse im Netz teilen. Außerdem kann das Programm die Zeit steuern, die das Kind online sein darf.

Auch eine entsprechende Security-App auf dem Smartphone der Jugendlichen schützt sie – denn damit können aus der Ferne Daten auf dem Smartphone gelöscht oder der Zugang ganz gesperrt werden. Ein verlorenes Smartphone in den Händen der Täter befeuert Cybermobbing, schließlich gelangen sie so an persönliche Daten des Opfers.

Jedes Kind wird einmal in irgendeiner Form mit Mobbing konfrontiert. Es ist nahezu unvermeidlich und gehört zum Erwachsenwerden dazu. Kinder und Jugendliche lernen dabei, sich in der Gesellschaft zu behaupten und sich selbst wertzuschätzen.

Wichtig ist, dass Eltern dafür sorgen, dass Auseinandersetzungen – ob online oder offline – nicht eskalieren. So können Jugendliche gestärkt aus diesen Konflikten hervorgehen.

 

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