Spinnt Windows 10? Vielleicht hilft ein richtiges Herunterfahren

Windows will beim Herunterfahren und beim Booten Zeit sparen. Darum fährt es beim Herunterfahren meistens gar nicht wirklich ganz herunter. Stattdessen schreibt es den aktuellen Zustand des Arbeitsspeichers in die Datei hiberfil.sys und legt sich dann Schlafen. Das ganze nennt sich Schnellstart. Beim Einschalten muss nur der zwischengespeicherte Zustand neu geladen werden. Das geht schneller, als sich alle zu ladenden Treiber-, Programm- und sonstigen Dateien einzeln zusammenzu suchen.

Vorteil: Damit kann Microsoft in der Werbung schnellere Hochfahr-Zeiten publizieren und steht gegenüber der Konkurrenz nicht mehr so schlecht da. Nein, Scherz beiseite: Ihnen als Nutzer kommt dieses Verhalten grundsätzlich zuerst zu Gute. Sie müssen dadurch nach dem Einschalten des Systems oft nur wenige Sekunden warten, bis Sie mit der Arbeit loslegen können. 

Nachteil: Manchmal wäre ein komplettes, richtiges Herunterfahren und Neustarten eigentlich nötig, denn manche Gerätetreiber sollten eben doch einmal neu geladen werden. Der hartnäckige Verzicht auf einen richtigen, oft heilsamen Neustart kann unerwünschte Auswirkungen haben.

Der Schnellstart lässt sich entweder in Ausnahmefällen umgehen oder komplett abschalten – zugunsten eines richtigen Herunter- und Hochfahrens.

Wann Ihr System ein richtiges Herunterfahren braucht

Immer, wenn Sie Dual-Boot haben, sprich: Wenn sich auf dem gleichen PC z.B. ein Windows und ein Linux oder einmal Windows 7 und ein Windows 10 befinden und Sie je nach Bedarf mal dieses oder mal jenes booten. Hier sollte der Schnellstart zwingend ganz deaktiviert sein. Wenn sich nämlich eine der Windows-Installationen nur «schlafen» legt, dann sieht jede von diesem beanspruchte Festplattenpartition fürs andere System so aus, als sei sie in Gebrauch – und damit blockiert.

Vor und nach Hardwareinstallationen: Fahren Sie den Computer richtig herunter, wenn Sie darin systemnahe Hardware austauschen oder einbauen, etwa Arbeitspeicher (RAM), ein zusätzliches Festplattenlaufwerk oder SSD, eine Grafikkarte, eine Netzwerkkarte, den Prozessor oder gar das ganze Mainboard. 

Vor längeren Nutzungspausen: Sie fahren vielleicht für drei Monate weg und werden Ihren Laptop zuhause lassen. Schicken Sie auch ihn in den Urlaub, und zwar indem Sie ihn vor der Abreise ganz herunterfahren. Der Grund: Falls versteckte Hardwareschäden vorhanden wären, könnten sich diese nach längerem Nichtgebrauch erst recht manifestieren. Es könnte also sein, dass Sie bei Ihrer Rückkehr ein nicht mehr startfähiges Gerät vor sich haben. Sie müssten die Festplatte unter Umständen an einen anderen PC anhängen, um vom Festplatteninhalt noch zu retten, was zu retten ist. Das klappt natürlich weitaus besser, wenn das darauf liegende System in einem klar definierten heruntergefahrenen Zustand ist, genau wie beim Systemabbild (siehe nächsten Punkt).

Vor dem Erstellen eines Images: Manche Anwender erstellen gerne per Boot-CD oder Boot-USB-Stick ein Abbild der Systempartition auf ein anderes Laufwerk. Falls Sie zu diesen gehören, fahren Sie das zu sichernde System vor der Sicherung richtig herunter. Sie möchten ja vermutlich nicht überflüssigerweise eine hiberfil.sys-Datei mitsichern.

Wenn Windows spinnt: Ein komplettes, echtes Herunterfahren kann sogar Windows-Probleme beheben. Angefangen bei Hardwareproblemen, weiter über Ärger mit den Windows-Updates oder mit nicht-löschbaren Dateien bis hin zu rätselhaften Symptomen wie etwa dem sofortigen Neustart nach Benutzung des normalen Herunterfahren-Befehls.

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  • So geht ein echtes Herunterfahren im Einzelfall
  • So erstellen Sie eine Verknüpfung für gelegentliches echtes Herunterfahren
  • So schalten Sie generell auf echtes Herunterfahren um

 

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