Yahoo scannt heimlich alle Mail-Eingänge in Echtzeit für die US-Geheimdienste

A sign advertising internet company Yahoo is pictured in downtown San Francisco, California February 4, 2016. REUTERS/Mike Blake
A sign advertising internet company Yahoo is pictured in downtown San Francisco, California February 4, 2016. REUTERS/Mike Blake

Yahoo hat im 2015 heimlich ein Programm gebaut, das alle eingehende E-Mails seiner Kunden für US – Geheimdienste in Echtzeit, d.h. zum Zeitpunkt des Maileinganges, systematisch nach vorgegebenen Stichworten durchsucht.

Demzufolge wurden Hunderte von Millionen von Yahoo Mails im Auftrag der National Security Agency (NSA) und FBI durchsucht.

Einige Überwachungs Experten sagten, dies sei der erste bekannte Fall eines US-Internet-Riesen, der alle ankommenden Nachrichten durchsuche.

Nach welche Informationen gesucht wurde, ist bislang nicht bekannt. Ungeklärt ist auch, ob Geheimdienste nebst Yahoo auch bei anderen Providern Echtzeit-Scans ermöglicht wurde / wird.

In einer kurzen Erklärung antwortet Yahoo: „Yahoo ist ein gesetzestreues Unternehmen, das den Gesetzen der Vereinigten Staaten verpflichtet ist.“ Weitere Kommentare lehnte Yahoo auch auf Nachfrage bislang ab. Auch NSA und FBI lehnten eine Stellungnahme ab.

Der Antrag, Yahoo Mail-Konten zu durchsuchen, kam in Form eines klassifizierten Edikts an die Rechtsabteilung von Yahoo.

US-Telefongesellschaften und Internet-Unternehmen sind dafür bekannt, Ihre Massenkundendaten an Geheimdienste zu übergeben.
Neu ist aber, die Art des neugeschaffenen Programmes, das die grossangelegte Echtzeit-Durchforschung erst ermögliche.

„Ich habe noch nie die Dimension dieses Wiretap gesehen, das in Echtzeit prüft“, sagte Albert Gidari, ein Rechtsanwalt, der seit 20 Jahren Telefongesellschaften und Internet-Unternehmen in Überwachungsfragen vertritt.

Experten halten es für wahrscheinlich, dass NSA und / oder FBI mit der gleichen Forderung auch an andere Internet-Unternehmen herangetreten ist.

Alphabet Inc Google und Microsoft Corp, zwei grossem US-E-Mail-Service-Provider, wiesen in separten Mitteilungen am Dienstag darauf hin, dass sie eine solche E-Mail-Durchsuchung bei ihnen nicht durchgeführt wurce.

„Wir haben nie eine solche Anfrage erhalten, aber wenn, dass wäre unsere Antwort einfach: No way! „, sagte ein Sprecher von Google in einer Erklärung.

Ein Microsoft-Sprecher sagte in einer Erklärung: „Wir haben nie den E-Mail-Verkehr heimlich gescannt auf eine Weise, wie heute über Yahoo berichtet wurde.“ Das Unternehmen wollte sich nicht dazu äussern, ob es einen solchen Antrag erhalten hatte.

GEGEN DIE NSA

Gemäss Gesetzt des Foreign Intelligence Surveillance Act können Geheimdienste US-Telefongesellschaften und Internet-Unternehmen dazu zwingen, Kundendaten zur Verfügung zu stellen zur Unterstützung ausländischer Geheimdienste und zur Prävention von Terroranschlägen.

PC-Meister meint dazu:
Wohl die Spitze des Eisberges, angesichts der Datensammelwut begründet mit einem ausufernden Schutzbedürfnis zulasten des Schutzes der Privatsphäre.
Wie vertrauenswürdig ist dann erst der Trend zu Clouds, also externen Netzwerken und Speichern, die uns ermöglichen, unsere Daten extern zu speichern und Anwendungsprogramme via Internet zu nutzen?

→ Lesen Sie dazu auch: 500 Millionen Yahoo-Konten schon im 2014 gehackt

(Bericht durch Joseph Menn; Schnitt Jonathan Weber und Tiffany Wu)